Verein · seit 1903

Pro Onsernone

Seit 1903 fördert der Verein Entwicklung, Kultur und Tourismus im Onsernonetal und gibt die Voce Onsernonese heraus.

Blick über das blühende Onsernonetal
Mitglieder des Ausschusses
  • Luca Dellamora, Präsident
  • Roberto Carazzetti, Vizepräsident
  • Ursula Kunz, Sekretärin
  • Paolo Fornera
  • Paolo Buzzini
  • Elia Gamboni
  • Gianmario Terribilini
Pubblicazioni

Anhand einer Reihe von Dokumenten und Fotografien lässt sich ein Jahrhundert Tätigkeit der Pro Onsernone nachzeichnen – im Buch:
„Il centenario della “Magna Mater”, Pro Onsernone 1903-2003“
Betrachtungen und Dokumente zu einem Jahrhundert Onsernoner Geschichte, herausgegeben von Roberto Carazzetti, Russo, 2003. (Fr. 20.–).
Das Buch kann schriftlich bei der Pro Onsernone bestellt werden.

Die Satzung

PDF StatutiGli statuti dell'associazione "Pro Onsernone" (28.5.1995)

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    DIE URSPRÜNGE DER PRO ONSERNONE, EINHEIT DER IDEEN FÜR GEMEINSAMES HANDELN

    Die bewegte, über hundertjährige Geschichte der Pro Onsernone beginnt am 6. Januar 1903, als in Russo in einem Saal des Hotel Central 63 Mitglieder die Gründungsstatuten der «Associazione Pro Onsernone» genehmigen. Die konstituierende Versammlung, die nach einer intensiven Vorbereitungszeit zusammentrat, legte den Grundstein dafür, alles zu fördern, was zur Entwicklung, zum Wohlstand und zum Fortschritt des Onsernonetals beitragen konnte.

    Geht man dem offiziellen Gründungsdatum nach, stellt man jedoch fest, dass es lediglich den natürlichen Abschluss und die Verwirklichung einer Reihe von Ideen und Projekten darstellt, deren Voraussetzungen sich bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wiederholt gezeigt hatten.

    Einer der wichtigsten Vertreter jener Bestrebungen, die schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gemeinsame Initiativen für den Fortschritt des Onsernone forderten, war Remigio Chiesa (1832-1906). Liest man seine unzähligen Schriften, darf diese Persönlichkeit mit gutem Grund als Zeuge des Wiederaufstiegs eines Tals gelten, das tief zerrissen von politischem Hass aus dem 19. Jahrhundert hervorging – ausgelöst durch die Krise, die aus dem Zusammentreffen einer Reihe ungünstiger wirtschaftlicher und sozialer Faktoren entstand. Tatsächlich führte der fortschreitende Niedergang der Strohindustrie, der wichtigsten Einkommensquelle fast der gesamten Bevölkerung, zur Verarmung der Einwohner, von denen viele den Weg der Auswanderung einschlugen. Unsere Dörfer erlebten in der Folge eine fortschreitende und unaufhaltsame Entvölkerung. In einigen Gemeinden war der Bevölkerungsrückgang erschreckend und erreichte in den vier Jahrzehnten von 1860 bis 1900 beeindruckende Werte, so etwa in Berzona, wo die Einwohnerzahl um 42 % zurückging, oder in Russo um 34 %. Diese Verkettung unheilvoller Faktoren hinterliess das Tal in äusserst kritischen wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Notwendigkeit, die Kräfte zu vereinen, um «unserer Heimat ohne schwere Opfer Wohlstand zu bringen», ist einer der Grundgedanken von Remigio Chiesa, der um 1895 gemeinsam mit anderen Persönlichkeiten des Tals zu den Initianten eines Komitees gehören sollte, das die Gründung einer Gesellschaft zur Wahrung der Interessen des Tals forderte.

    Doch bereits 1866 kommen diese Absichten in Chiesas Worten deutlich zum Ausdruck: «In diesen für die Gegenwart und die Zukunft des ganzen Tales höchst wichtigen Dingen sollten wir wenigstens einig sein, jeglichen privaten Hass beiseitelassen, einander anhören und uns gegenseitig mit guten Ratschlägen unterstützen, auch wenn sie von unseren persönlichen Feinden kommen. Durch die Einigkeit könnten wir zumindest das Elend und die allzu häufigen Finanzkrisen unserer Heimat leicht abwenden. (…) Aus einer freien Diskussion, ohne Rücksicht auf Personen, können die Ideen und Vorschläge eines Einzelnen von ihren grössten Mängeln geläutert hervorgehen.»

    Ein weiteres Anliegen, das schon damals als dringlich empfunden wurde, war der Ausbau der Schulen im Tal – verstanden als Quelle des Fortschritts, der durch die Erziehung und die stetige Ausbildung der jungen Generationen erreicht werden konnte. So verlassen 1875 und 1876 zwei Ausgaben des «Almanacco della giovane Onsernone» die Druckerpresse: eine klar an die Jugend gerichtete Publikation, die bereits den ideellen Keim der künftigen Projekte in sich trug: «Die grösste Geissel, welche die Menschheit heimsucht und sie von erhabenen Höhen hinab in die tiefsten Abgründe der Barbarei stürzt, ist nach dem Müssiggang gewiss die Finsternis der Unwissenheit. (…) Es ist daher unerlässlich, dass das Volk, noch vor der Arbeit oder zugleich mit ihr, die köstlichen Früchte der Wissenschaft empfange. (…) Es genügt also nicht, den Geringsten dieser Welt irgendein Dasein zu sichern: Man muss ihnen vielmehr die feinsten Waffen zur Verteidigung verschaffen, die aus dem Arsenal des Verstandes hervorgehen.»

    Zusammen mit den Grundsatzerklärungen entstehen und wirken nun auch die ersten konkreten Formen wirtschaftlicher Hilfe. In Form von Genossenschaften nehmen die ersten gemeinschaftlichen Einrichtungen ihre Tätigkeit auf, wie zum Beispiel der «Panificio Sociale Onsernonese» und die 1874 in Loco gegründete «Società d’economia domestica», die mit Erfolg ein genossenschaftliches Warenlager eröffnen sollte, mit «der Absicht, der Teuerung der Lebensmittel abzuhelfen und in den eigenen Familien Esswaren bester Qualität zum möglichst niedrigen Preis zu verbrauchen».

    Nicht zuletzt dank dieser konkreten Erfahrungen der Solidarität setzt sich nach 1890 in der öffentlichen Meinung des ganzen Tals immer stärker der Wille durch, eine historische und wirtschaftliche Lage zu überwinden, die nach wie vor recht prekär ist. Einen grossen Anstoss in diese Richtung geben die zahlreichen in der ganzen Welt verstreuten Onsernoner Auswanderer. Als neues Element finden sich zudem einige Persönlichkeiten unterschiedlicher politischer Herkunft zusammen, um die Grundlagen für eine neue gesellschaftliche Entwicklung zu legen; mit Offenheit und Weitblick setzen sie sich dafür ein, Ideen, Hoffnungen und Projekte zu verwirklichen, mit dem Ziel, «eine Vereinigung zu gründen, die imstande wäre, den Interessen eines einst blühenden und volkreichen Tales, das durch die Schuld von Menschen und Umständen in Verfall geraten war, kräftigen Auftrieb zu geben». So setzte sich nach einem Jahrhundert «Politik mit Flintenschüssen» nach und nach eine Zusammenarbeit zwischen Menschen durch, die oft ideologisch entgegengesetzte Positionen vertraten; es gelang, Leidenschaften und Groll zu entschärfen und so eine Annäherung und Zusammenarbeit zu ermöglichen, welche die Suche nach Lösungen für die wichtigsten Probleme der Zeit erleichterte. Wiederum anhand einer Schrift Chiesas lässt sich eine erste Entwicklungsstrategie wie folgt zusammenfassen: die Korrektur der Strasse, die nicht nur die Transporte sicherer und günstiger machen, sondern auch den Zugang für Touristen erleichtern konnte; die Förderung der allgemeinen Bildung durch eine Zeichenschule und durch finanzielle Erleichterungen für den Besuch von Lehrgängen bei Firmen und Industriebetrieben in der übrigen Schweiz; die Schaffung einer starken und glaubwürdigen Behörde im Tal, um bei den auswärtigen Instanzen all jene Unterstützung zu finden, die zur Erreichung der angestrebten Entwicklungsziele nötig war.

    Tatsächlich hatte 1895 ein Komitee, dem die Herren Remigio Chiesa, Giovanni Nizzola, Lindoro Regolatti, Natale Regolati, Giovanni Buzzini, Giuseppe Remonda, Felice Giannini und Evaristo Garbani Nerini angehörten, einen öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem Ideen zur Verbesserung der Strohverarbeitung eingereicht werden konnten. Die Finanzierung des Wettbewerbs, die durch eine öffentliche Sammlung zustande kam, zeitigte ausgezeichnete Ergebnisse; so fand das Komitee die nötige Ermutigung und breite Unterstützung, um die Grundlagen der «zu gründenden Gesellschaft Pro Onsernone» zu legen.

    Nun war der Weg geebnet. Nach mehreren Sitzungen und einer intensiven, breit angelegten Sammelaktion, auch unter den Onsernoner Auswanderern in Übersee (Kalifornien und Argentinien), trat am 30. Juli 1902 in Russo «eine Versammlung Onsernoner Bürger zusammen, auf ein Rundschreiben hin, das von den Herren Garbani Nerini Evaristo, Gamboni Pietro Giacomo und Carazzetti Emanuele versandt worden war, um die Grundlagen für eine Gesellschaft «Pro Onsernone» zu legen, die zum Zweck hat, alles zu studieren, zu fördern, zu ermutigen und zu überwachen, was zur Entwicklung, zum Wohlstand und zum Fortschritt des Tales beitragen kann. Nach einer Diskussion über den Zweck der Gesellschaft spenden die Anwesenden der Initiative Beifall und setzen zum Zeichen ihres Beitritts ihre Unterschrift darunter».

    Das provisorische Komitee wurde beauftragt, die Statuten auszuarbeiten und mittels Rundschreiben und Unterschriftensammlung die Beitritte «aller gutwilligen Bürger in der Heimat und im Ausland» zu sammeln. Es setzte sich aus folgenden Herren zusammen: Advokat Garbani Nerini Evaristo, Gamboni Pietro Giacomo, Advokat Giovanni Bezzola, Don Luigi Simona, Dr. Vittorio Spigaglia, Buzzini Basilio, Speziali Pietro, Prof. Natale Regolati, Nottaris Angelo, Chiesa Remigio, Prof. Mella Pietro.

    So kam es zur Einberufung der ersten ordentlichen Versammlung, die am 6. Januar 1903 im Saal des Hotel Central in Russo stattfand. Anwesend waren 63 Mitglieder, welche die Statuten genehmigten und den ersten Vorstand mit 15 Mitgliedern und 10 Ersatzmitgliedern wählten.

    Mit der Gründungsversammlung begann somit die Tätigkeit der Pro Onsernone, die sich während ihres hundertjährigen Bestehens stets bemüht hat, die ursprünglichen statutarischen Ziele konsequent zu verfolgen, die in ihrer Konzeption von einem grossen Gemeinschaftsgeist geprägt waren. Vor mehr als hundert Jahren entstand im Tessin eine der allerersten öffentlichen und gemeinnützigen Institutionen, die imstande war, die Interessen einer ganzen Region zu vertreten, vor allem aber Ziele des Fortschritts und der Entwicklung über ideologische Unterschiede, kleinliche Sonderinteressen und lokale Schwächen hinweg zu verfolgen und so ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Wachstum zum Nutzen der gesamten Onsernoner Gemeinschaft anzuregen.

    In diesem Sinne darf man ohne Weiteres sagen, dass die Gründung der Pro Onsernone im politischen und gesellschaftlichen Umfeld des Kantons zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein aussergewöhnliches und einzigartiges Ereignis war.

    Hundert Jahre Pro Onsernone, in denen es weder an Schwierigkeiten noch zuweilen an Entmutigung fehlte, haben dennoch bewirkt, dass diese Institution zu einem Grund des Stolzes für das ganze Tal und seine Bevölkerung geworden ist. Ein Stolz auch deshalb, weil viele derjenigen, die zu verschiedenen Zeiten und auf unterschiedliche Weise an der Spitze der Vereinigung standen, zahlreiche Ableger ins Leben riefen und verwirklichten – wie die Zeitung La Voce Onsernonese, das Museo Onsernonese, die Amici di Comologno, die Trachtengruppe, die Sport- und Freizeitvereine usw. –, die ihre gesellschaftliche Rolle ergänzen und so das Wirken der “hundertjährigen Mutter” weiterentwickeln sollten.

    Roberto Carazzetti